Heimische Schlangen

Bei Schlangen gehen die Meinungen weit auseinander. Manch einer findet sie eklig, für andere sind sie faszinierende Lebewesen. Viele Menschen reagieren gar panisch, wenn sie in freier Natur auf ein solches Reptil treffen - zu Unrecht, denn die heimischen Schlangenarten sind völlig ungefährlich. Von den vier in Rheinland-Pfalz vorkommenden Arten - Ringelnatter, Barren-Ringelnatter, Schlingnatter und Würfelnatter - ist keine einzige giftig. Giftschlangen kommen natürlicherweise in Rheinland-Pfalz nicht vor. Die giftige Kreuzotter wurde in Rheinland-Pfalz trotz intensiver Suche bisher nicht nachgewiesen.

 

Gesichtet werden können Schlangen an Bahndämmen, Trockenmauern, Wald- und Wegrändern, in Steinbrüchen, an Gewässern oder sogar in Gärten, zudem gehören sie zu den wechselwarmen Tieren. Ihre Körpertemperatur halten sie in einem Optimalbereich, indem sie je nach Bedarf Sonnen- und Schattenplätze aufsuchen. Zusätzlich können sie ihre Körperoberfläche gezielt vergrößern (Abflachen beim Sonnen) oder verkleinern (Aufrollen in kühler Umgebung), um den Wärmeaustausch mit der Umgebung zu beeinflussen. Zeiten ungünstiger Außenbedingungen (Mittagshitze, Winter) verbringen Schlangen in geschützten Quartieren.

 

Leider gibt es immer noch Menschen, die z.T. aus Unwissenheit, große Angst vor Schlangen haben und diese faszinierenden Tiere loswerden oder gar unrechtmäßig töten wollen. Die größere Gefahr für die heimischen Schlangen geht allerdings von der Zerstörung ihrer Lebensräume und der fortschreitenden Ausräumung der Landschaft aus. Der massive Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft verringert noch zusätzlich ihre Nahrungsgrundlage. Deshalb sind mittlerweile alle rheinland-pfälzischen Schlangenarten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten zu finden, doch mit etwas Glück können während der warmen Jahreszeit auch in unserer Region Schlangen beobachtet werden.

Gelege einer Ringelnatter_NABU_Lutz Wolfram
Gelege einer Ringelnatter_NABU_Lutz Wolfram

Schlange im Garten – Was nun?

 

Eine Gefahr durch heimische Schlangen besteht nicht. Am besten sollte man die streng geschützten Tiere in Ruhe lassen und sich freuen, sie beobachten zu können. Wer Schlangen helfen möchte, kann mit der Anlage von sonnigen Holz-, Stein- und Komposthaufen ideale Brutmöglichkeiten schaffen. Ein strukturreicher Garten mit Sträuchern, Gehölzen, alten Baumstümpfen und lückigen Steinhaufen bietet zudem viele Unterschlupfmöglichkeiten und Winterquartiere.

Melden Sie uns Ihre Beobachtungen!

Schlangen sind scheue Tiere, daher sind Beobachtungen oft zufällig und die aktuelle Verbreitung ist zum Teil nur lückenhaft dokumentiert. Haben Sie im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der Stadt Trier oder dem Landkreis Trier-Saarburg in den letzten Jahren eine Schlange gesehen oder vielleicht sogar fotografiert? Dann wären wir dankbar, wenn Sie uns Ihre Beobachtung melden. Sichtungen mit Bildbeleg, Funddatum und möglichst genauer Beschreibung des Fundortes können an die NABU Regionalstelle RLP-West gemeldet werden unter: Regionalstelle.West@NABU-RLP.de

 

Damit die Artbestimmung leichter fällt, finden Sie auf dieser Seite und in den folgenden Links Merkmale und Hinweise zu den einzelnen Arten:

Schlangenarten in unserer Region

Ob an Bahndämmen, trockenen Wegrändern, in Steinbrüchen oder an sonnigen Plätzen im Garten – im Sommer können an vielen Orten in ganz Rheinland-Pfalz Schlangen beobachtet werden. Dabei wissen viele Menschen nicht, dass die heimischen Schlangen völlig ungefährlich sind.

 

Oft verwechselt: Die Schlingnatter

Schlingnatter_NABU_Lore Bleibtreu
Schlingnatter_NABU_Lore Bleibtreu

Sie ist wohl die häufigste Schlangenart in Rheinland-Pfalz, doch Beobachtungen der scheuen Tiere sind selten, da sie perfekt getarnt und meist gut versteckt sind. Wird sie doch einmal entdeckt, wird sie häufig zu Unrecht für eine giftige Kreuzotter gehalten.

 

Merkmale: zierlich, meist nicht über 60 cm lang, glatte Schuppen, Kopf flach, klein und kaum abgesetzt, Augen klein mit runder Pupille und bräunlicher Iris, an den Kopfseiten je ein dunkelbrauner Streifen vom Nasenloch über das Auge bis zum Mundwinkel, auf der Kopfoberseite ein herz- bzw. hufeisenförmiger dunkler Fleck („Krönchen“), auf dem Rücken 1 bis 2 Reihen dunkler Flecken (kein durchgehendes Zickzackband wie bei Kreuzottern!), durch Bewegungen der Schlange kann ein solcher Eindruck entstehen

 

Lebensraum: südexponierte Hänge mit einzelnen Büschen, Geröllflächen, Weinbergsbrachen, Bahndämme und lichte Wälder

 

Nahrung: überwiegend andere Reptilien, aber auch Mäuse und andere Kleinsäuger

 

Fortpflanzung: Jungtiere werden lebend geboren

 

Besonderheiten: Beutetiere werden vor dem Verschlingen durch Umschlingen erstickt

Augenbilder (links) © Sascha Schleich | Kreuzotter (rechts) © Krzystof Wesolowski
Augenbilder (links) © Sascha Schleich | Kreuzotter (rechts) © Krzystof Wesolowski

 

Den Fröschen auf der Spur: Die Ringelnatter

Ringelnatter_NABU_Steffen Zibolsky
Ringelnatter_NABU_Steffen Zibolsky

Ringelnattern halten sich gern in naturnahen Gärten auf, meist in solchen mit einem Teich. Dort holen sie sich den einen oder anderen Goldfisch oder Frosch, stellen aber keine Gefahr für den Menschen dar.

 

Merkmale: meist bis 1,2 m lang, selten bis 2 m, Weibchen größer als die Männchen, charakteristisch sind die beidseitigen schwarz umrandeten gelben Nackenflecken, Oberseite meist grau, teils auch bräunlich oder grünlich, selten schwarz, oft mit 4 bis 6 Reihen kleiner schwarzer Flecken. Rückenschuppen gekielt, Pupillen rund

 

Lebensraum: bevorzugt Biotope in Gewässernähe, vegetationsreiche Fluss- und Seeufer, Feuchtwiesen, Moore und Sümpfe, aufgelassene Sand- und Kiesgrube, Steinbrüche, Gartenteiche, aber auch abseits von Gewässern

 

Nahrung: Frösche, Kröten, Molche und deren Entwicklungsstadien, Mäuse und Fische

 

Fortpflanzung: Gelege mit bis zu 30 Eiern, bevorzugt in Laub-, Mist- oder Komposthaufen

 

Besonderheiten: schwimmt und taucht ausgezeichnet, sonnt sich lange in Uferbereichen, kann übelriechendes Sekret verspritzen

 

Als neue Art anerkannt: Die Barren-Ringelnatter

Barren-Ringelnattern_NABU-KL_Jürgen Reincke
Barren-Ringelnattern_NABU-KL_Jürgen Reincke

Zu den bis vor kurzem noch drei Schlangenarten in Rheinland-Pfalz kam im August 2017 eine vierte hinzu: Die Barren-Ringelnatter wurde von Forschern zu einer eigenen Art erklärt und ist damit keine Unterart der Ringelnatter mehr.

 

Merkmale: meist bis zu 1,2 m lang, Weibchen länger als Männchen, runde Pupillen, Grundfarbe des Körpers variiert von hellgrau bis vollständig schwarz, häufig dunkelgraue oder braune Färbungen, helle – weiße oder gelbe, selten orange – Flecken am Hinterkopf, die hinten durch schwarze Flecken ergänzt werden, diese Flecken oder Fleckenpaare können aber gering sein oder gar fehlen, je eine Reihe quer gestellter Flecken an den Körperseiten

 

Lebensraum: verbreitet in Teilen Westdeutschlands, an Flachmooren, naturnahen Weihern und Seeufern, entlang von Flüssen, in Auen, Kies- und Tongruben und Schutthalden

 

Nahrung: Frösche, Kröten, Molche, Fische, selten Eidechsen und Mäuse

 

Fortpflanzung: Gelege mit bis zu 30 Eiern, Ablage in Komposthaufen, Misthaufen, und an modrig feuchtwarmen Plätzen

 

Besonderheiten: schwimmt und taucht gut, nicht sehr standorttreu, Zischen und Scheinbisse zur Abwehr, kann übelriechendes Sekret verspritzen, Totstellen

 

Geschickte Fischerin: Die Würfelnatter

Bildnachweis folgt!

 Die Würfelnatter war Ende des neunzehnten Jahrhunderts noch recht häufig. Inzwischen gibt es nur noch drei Vorkommen der Würfelnatter in Deutschland, alle in Rheinland-Pfalz. Als Vertreterin der Familie der Wassernattern ist sie stark an Gewässer gebunden.

 

Merkmale: bis zu 1,5 m lang, Weibchen meist größer als Männchen, mäßig schlank mit deutlich abgesetztem, bei adulten Tieren dreieckigen Kopf, Grundfarbe der Oberseite variiert in verschiedenen Grau-, Oliv- oder Brauntönen, während Kopf in der Regel ungefleckt, verlaufen 3 bis 5 Längsreihen dunkelgrauer, dunkelbrauner bis schwarzer Flecken an den Flanken und auf dem Rücken bis zur Schwanzspitze. Rückenschuppen gekielt, Pupillen rund

 

Lebensraum: naturnahe Flussufer mit Kiesbänken und krautiger Vegetation, ruhige und sonnige Flachwasserbereiche, ufernahe Hänge mit spaltenreichen Felsen, Trockenmauern

 

Nahrung: überwiegend Fische verschiedener Arten

 

Fortpflanzung: Gelege mit bis zu 30 Eiern, Ablage bevorzugt in Haufen von angeschwemmtem Pflanzenmaterial

 

Besonderheiten: kann ausgezeichnet schwimmen und tauchen, verbringt viel Zeit im flachen Wasser, verlässt Gewässer nur zum Sonnenbaden, zur Fortpflanzung und zur Überwinterung, kann übelriechendes Sekret verspritzen

Blindschleiche_NABU_Rüdiger Weis
Blindschleiche_NABU_Rüdiger Weis

Schon gewusst?

 

Die Blindschleiche zählt, auch wenn sie keine Beine hat, zu den Eidechsen. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die beweglichen Augenlider. Im Gegensatz zu den Schlangen ist der Kopf der Blindschleichen nicht vom Körper abgesetzt. Der Schwanz kann bei Gefahr abgeworfen werden, was Fressfeinde ablenkt und der Blindschleiche eine Chance gibt, um zu Entkommen. Sollten Sie Blindschleichen im Garten haben, schätzen Sie sich glücklich, denn Nacktschnecken gehören zur Lieblingsspeise dieser Eidechsen.